Ist Eros der eben jetzt von mir beobachtete Planet?


Ist Eros der eben jetzt von mir beobachtete Planet?

Gottlob Frege, Ludwig Wittgenstein und ((4×3)+12) Versuche über die logische Struktur der Welt

Eine Ausstellung im Kunstverein Goldberg vom 19. August 2017 bis zum 08. Oktober 2017
Eröffnung am 18. August 2017

mit Arbeiten von Josef Dabernig, Martin Ebner, Andreas Fogarasi, Bernhard Frue, Kathi Hofer, Roland Kollnitz, Ingo Nussbaumer, Wendelin Pressl und Markus Hofer, Anja Ronacher, Simon Wachsmuth, Anita Witek, Otto Zitko, Heimo Zobernig

Zusammengestellt von Gregor Schmoll

Goldbergkunst e.V.
Lange Straße 76
19399 Goldberg

 

 

Martin Ebner, Problem
Video, silent, 30 min., 1995

 

Zwei Seelen

Ariane Müller

Die zwei Tischtennisbälle, die hinter Blumfeld, einem älteren Junggesellen herhüpfen, erscheinen mir, so wie sie Franz Kafka beschreibt, wie zwei plötzlich eigenständig agierende Identitäten, die sich aus dem Ensemble von Identitäten die Blumfeld ausgemacht haben, herausgelöst haben und nun ein Eigenleben entwickeln. Dieses ist zwar an ihn gebunden, es ist eigentlich sein Leben, aber er kann die zwei abgespaltenen Subjektivitäten nicht kontrollieren. Sie beginnen, auf sich aufmerksam zu machen, sie machen andere auf ihn aufmerksam. Sie hüpfen um ihn herum und folgen ihm überallhin. Sie machen Geräusche, jenes ping pong, oder eben tic tac, und sind damit recht eigentlich ein Tick, eine aus einem herausbrechende Bewegung. Sie sind ihm lästig und sie zwingen ihn zu einigen lächerlichen Aktionen. Im Versuch, sie wieder unter Kontrolle zu bekommen, sie zu fangen – was ihm bei einem gelingt–, erliegt er schliesslich der Lächerlichkeit dieses Unterfangens. Und er gibt auf. “Es ist zu entwürdigend solche Massnahmen gegen zwei kleine Bälle zu ergreifen” (two balls?). Er sperrt sie daraufhin in den Schrank, so wie viele solche einem unangenehmen Identitätsteile, wegen denen man sich schämt, die sich abzuspalten drohten, indem sie ein zu offensichtliches anderes Leben forderten, in den Schrank gesperrt wurden, oder, wie es im Fall der erzwungenen Unterdrückung von Sexualität genannt wurde in the closet. Und er beschließt sie sicherlich und in nächster Zeit zu zerstören. Eben sicherlich bald, aber sicher nicht jetzt. Er weiß, er muss es, aber er kann es nicht jetzt. Aber er muss, er wird es demnächst machen. Stattdessen schickt er zwei Kinder in die Wohnung, die er seinen zwei vorher erfolgreich für den äusseren Schein in the closet gesperrten Identitäten (balls?) überantwortet. Blumfeld hat kein Problem, aber er hat ein Problem damit, dass etwas auf ihn aufmerksam macht, dass ihn etwas, das mit ihm zu tun hat, am Schlafen hindert – sie machen zuviel Lärm unter seinem Bett. Sie werden ihm zum Problem, aber es gelingt ihm, dieses Problem in the closet zu sperren. Wo es herumrandalieren kann, und warten, ob jemand den Schrank öffnet.

In Martin Ebners Film Problem, der im Umkreis von You Never Know, einer aus drei Personen – inklusive Martin Ebner – bestehenden Künstlergruppe entstanden ist (und in dem gemeinsamen Studio), könnten es nun Platzhalter für die drei Personen selbst sein, die in jenem für sie dunklen Raum miteinander und gegenseitig agieren (das Kunstfeld, etc.). Es könnten aber natürlich auch drei unterschiedliche Identitäten sein, die in diesem leeren Körpersack agieren, von ihm in ihren Bewegungen limitiert werden, und ihn wegen der Unterschiedlichkeit, der von ihnen intendierten Richtung zu jenen Konvulsionen und Zuckungen bringen, ihn sich hin und herwälzen lassen. Das Problem ist, dass sie voneinander nicht wirklich wissen, sich nur als Hindernisse wahrnehmen, in diesem von ihnen gemeinsam bewohnten Körper. Der ja von aussen wie eine irrationale, lächerliche, von bedrohlichen Zuckungen gequälte Einheit erscheint. Dieser Körper mit seinen drei Seelen, die ja auch eine kugelförmige Gestalt haben (und von denen sich jeweils eine in einem Fussball befindet – dagegen: Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, Die eine will sich von der andern trennen; Die eine hält, in derber Liebeslust, Sich an die Welt mit klammernden Organen; Die andere hebt gewaltsam sich vom Dust (= Staub) Zu den Gefilden hoher Ahnen.).